Mittwoch, 19. November 2014

Morbus Parkinson - eine ernst zu nehmende degenerative* Erkrankung

* degenerativ =  "durch den Verschleiß bedingt"; "funktionsgemindert" (Degeneration)
(http://flexikon.doccheck.com/de/Degenerativ)

Ein Aufklärungspost zu einer oft falsch verstanden Krankheit...

Hallo meine Lieben,
ich werde mich nicht lange am Vorwort aufhalten, nur kurz ein paar Worte: als wir im Unterricht diese Erkrankung besprochen haben, erklärte uns unsere Lehrerin das diese Erkrankung von Angehörigen der Betroffenen oft falsch verstanden wird und der Betroffene aufgrund seiner Symptome als unaufmerksam / desinteressiert wahrgenommen wird. Ich möchte mal bisschen was über die Erkrankung erzählen und vielleicht für ein bisschen Verständnis sorgen. -

  • Was ist Morbus Parkinson eigentlich?!

Die auch als "Schüttelkrankheit" bezeichnete neurologische Erkrankung wurde vom dem Arzt James Parkinson 1817 erstmals beschrieben.
Mb. Parkinson ist einer der häufigsten Extrapyramidalen Erkrankungen die sich im Alter von 40 bis 60 Jahren manifestiert. Schätzungsweise 250.000 bis 400.000 deutsche leiden daran, ca. 200.000 Patienten kommen weltweit jährlich dazu, aber was ist das denn eigentlich genau?

Es beginnt mit Schmerzen in den Gliedmaßen, Geruchsstörungen. Die Ursachen sind noch nicht ausreichend erforscht, aber es gibt symptomatische Formen (von Medikamenten ausgelöst), Toxine (Industriestoxidation), Entzündungen wie Entcephalitis, Atheriosklerose, Tumore und Mikrokontision (kleine Blutungen) die Auslöser sein können.
Durch eine degenerative Veränderung in der Substantia nigra nimmt der Neurotransmitter Dopamin ab und sein 'Gegenspieler' Acetylcholin zu. Dopamin beeinflusst die extrapyramidale Motorik und steuert die Erregungsübertragung von Nervenimpulsen auf die Zellen der Substantia nigra. Acetylcholin vermittelt das willkürliche Zusammenziehen (kontrahieren) von der Skelettmuskulatur.
Wenn diese beiden Neurotransmitter nicht mehr im Gleichgewicht sind tretten die Leitsymptome Muskelstarre (Rigor), Muskelzittern (Tremor), verlangsamte Bewegung (Bradykinese) und Haltungsinstabilität auf. Die Betroffenen führen oftmals keine geschmeidigen Bewegungen mehr durch, sie sind steif und fest.

  • Woran erkennt man einen Parkinsonpatienten? / Was passiert durch dieses Ungleichgewicht der Neurotransmitter?
Die Leitsymptome habe ich oben bereits erwähnt, ich werde nun spezifisch darauf eingehen.

Muskelstarre (Rigor):
Darunter versteht man eine geschwindigkeitsunanbhängige, extrapyramidale Tonuserhöhung - ja... und jetzt noch mal zum Verständis: egal in welcher Geschwindigkeit ihr eine Bewegung durchführen wollt, eurer Unterarm (ein Beispiel, ist überall möglich) ist schwer, starr... ihr kennt das bestimmt alle wenn ihr einen verspannten Nacken habt? So ungefähr müsst ihr euch das vorstellen. Aus diesem Grund bewegen sich die Betroffenen wie mit zäh - elastischem Widerstand, als hätten sie eine wächsenere Starre, der selbst in Ruhe nicht nachlässt. Den Betroffenen tut Wärme oft sehr gut.
Bei psychischer Anspannung verstärkt sich der Rigor.
Es gibt den Kopffalltest 'fliegende Kopfkissen': Der Patient soll den Kopf langsam auf ein Kopfkissen sinken lassen - das ist nicht möglich, der Kopf fällt nach unten. Deswegen haben die Betroffenen oft mindestens 3 Kissen.

Folge: Bewegungseinschränkung, Kontrakturen sind möglich, Schmerzen / Krämpfe, Atemmuskulatur führt zu Atemstörungen (sie können z.B. nicht mehr richtig abhusten, dass kann zur Pneumonie führen), massiv eingeschränkte Wirbelsäulenbewegung; außerdem gibt es durch Medikamente das on - off - Phänomen: erst tritt ein ganz starkes Zittern auf, dann folgt die Bewegungsstarre und anschließend kann sich der Betroffene wieder relativ frei bewegen

Muskelzittern (Tremor):
Dies ist ein sehr auffälliges Zeichen, aber Achtung: es gibt auch den sogenannten Alterstremor der keine Krankheit ist, sondern eine Symptomatik.
Man unterscheidet zwischen Ruhetremor und Halte - und Aktionstremor.
Der Ruhetremor ist der Beginn, er kann sich in Kopf nicken / schütteln (unwillkürlich) zeigen, aber auch an der Hand ('Geldzählphänomen': es sieht aus als würde die Person Geld zählen). Als Test kann man den Finger - Nase - Versuch durchführen: der Betroffene streckt einen Arm aus und soll mit dem Zeigefinger die Nase erreichen, oft setzt dabei der Tremor ein.
Der Halte - und Aktionstremor verstärkt sich bei psychischer Stärke und lässt im Schlaf nach. Dadurch kommt es zu massiven Einschränkungen in der Feinmotorik.
Auch dies ist durch Medikamente und Therapie beeinflussbar.

verlangsamte Bewegung (Bradykinese (auch Hypokinese, Hypoakinese)):
Betroffen sind vorallem Mit -, Zweck - und Ausdrucksbewegungen. Es kann der gesamte Körper betroffen sein, bestimmte Beeriche mehr. Bei erhöhter Spannung verstärkt sich das Symptom. Der Betroffene hat große Schwierigkeiten Bewegungen zu beginnen zu und zu beenden, dadurch verfallen viele in Depressionen, weil sie am öffentlichen Leben nicht mehr teilnehmen können. Psychisch sind die Erkrankten nicht eingeschränkt, nur durch die Symptome wirkt es so.
Wie bereits erwähnt wirken die Bewegungen steif, hölzern, robotormäßig. Bewegungen sind nicht lange durchhaltbar, sie werden weniger, kleiner und langsamer. Auch Zielbewegungen werden kürzer, Simultanbewegungen sind gestört (Fahrrad fahren, schreiben (Schrift ist klein und zittrig, versandet), schwimmen).
Die Hypomimie beschreibt die Reduzierung / Verarmung der Bewegungen: Lidschlag verlangsamt, geöffneter Mund, Gesicht wie eine maskenhafte Starre. Außerdem kommt es zu Sprachstörungen, dem Betroffenen fällt es schwer zu artikulieren, er spricht gleichmäßig / monoton, leise und verwaschen (wirkt wie betrunken). Heiserkeit und Stimmentremor können auftreten.

Gangauffälligkeiten: Start - und Stoppprobleme, bei häufiger Bewegung versanden Schritte, können nicht häufig wiederholt werden, Bewegungen verharren, eingenommene Bewegung kann nicht verändert werden, plötzliche Unruhe kann auftreten, Schwierigkeiten beim Kurven laufen, Gang ist schlürfend, kleinschrittig, trippelnd und steif, Armpendeln nicht vorhanden (Sturzrisiko!), Gleichgewichtsreaktion nicht angemessen, beginnen vor Türen auf der Stelle zu tippeln aufgrund von Beängungsgefühlen
(Ich gebe zu, die Gangauffälligkeiten hab ich großzügigerweise, ganz eiskalt, fast vollständig aus dem Hefter abgetippt... besser kann ich's auch nicht aufschreiben)

Haltunginstabilität:
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Sir_William_Richard_Gowers_Parkinson_Disease_sketch_1886.svg#filelinks
Wie ihr auf diesem Bild aus Wikipedia erkennen könnt ist die Brustwirbelsäule gekrümmt, die Halswirbelsäule und die Lendenwirbelsäule sind steifgestellt, die Schultern sind nach vorne gezogen, es kommt zur großbogigen Skoliose (aus diesen Gründen ist eine Aufrichtung nicht möglich).
Die Finger sind in den Grundgelenken gebeugt und in den Mittel - und Endgelenken gestreckt, der Daumen steht von den anderen Fingern entfernt (abduziert). Auch die Zehen sind in Krallenstellung. Die Hüft - und Kniegelenke sind leicht gebeugt.

vegetative Symptome:
Betroffene haben oft ein fettiges 'Salbengesicht' durch vermehrte Talgabsonderung, auch Akne und schuppige Haut kann auftreten. Der Speichelfluss ist vermehrt, aber der Schluckreflex lässt nach (ihr erinnert euch das der Mund oft offen ist...?).
Die Schweißabsonderung steigt (nicht sehr geruchsintensiv), dies führt häufig zu Darmverstopungen da das Wasser fehlt.
Dadurch das der Temperaturregler im Gehirn (Hypothalamus) betroffen ist, haben die Betroffenen eine erhöhte Temperatur (37°).
Es treten Ödeme vorallem im Lid - und Knöchelbereich auf und es besteht Thrombosgefahr.
Außerdem kommt es oft zu Bindehautenzündungen.

Psyche:
Mein Beweggrund, auf den ich im Text schonmal hingewiesen habe, weswegen ich diesen Post schreibe...
Die Betroffenen werden oft als 'nicht mehr ganz okay im Oberstübchen' abgestempelt, da es vorallem durch die fehlende Mimik (ich bin drauf eingegangen) so aussieht als würden sie Desinteresse zeigen oder auch weil sie so langsam sind.
40 % (!!!!) der Betroffenen entwickeln eine Depression.
Die verlangsamten Denkabläufe ('es rattert im Kopf') können sich zur Demenz entwickeln.

  • Was kann man dagegen unternehmen? Wird man wieder Gesund?
Gesund wird man nicht wieder.
Man kann aber die Symptomatik eindämen bzw. versuchen den Betroffen auf seinem Level zu halten um Verschlimmerungen zu vermeiden.
Wichtig ist zunächst: wenn ihr Auffälligkeiten erkennt bei Verwanden / Bekannten, macht diese darauf aufmerksam und es sollte vom Arzt abgeklärt werden. Die Symptome wie Tremor sind nicht normal (außer natürlich bei Überbelastung nach sportlichen oder kraftvollen Aktivitäten).
Die medikamentöse Behandlung besteht aus sehr vielen Medikamten die ich jetzt nicht alle aufzählen werde. Wichtig ist hier: der Betroffene MUSS wissen was er nimmt. Ich könnte aus der Haut fahren, wenn ich Patienten frage was sie für Medikamte nehmen und sie mir sagen sie wissen es nicht.
Durch die vielen Medikamente, die zum einen z.B. den Dopaminabbau vermindern sollen oder den Gegenspieler Acetylcholin vermindern sollen, kann es zu Nebenwirkungen wie Verwirrungszuständen, Übergewicht, Herz - Kreislauf - und Magen - Darmstörungen, Bewegungsunruhe und Grimasieren kommen.
Außerdem ist eine operative Methode möglich, seit 2013 gibt es auch eine neue: ein kleiner 'Schrittmacher' / Stimulator im Gehirn der den IST - Zustand feststellt und darauf die notwendigen elektrischen Impulse gibt.
(Nicht zu vergessen sind die helfende die Physio - und Ergotherapie ;) )

So! Ich hoffe es war bisschen interessant und lehrreich. Ich glaube es ist ziemlich viel auf einmal ('tschuldigung, anders geht's nicht).
Über euer Feedback würde ich mich sehr freuen: Habt ihr Erfahrungen mit Mb. Parkinson? Ist jemand in eurer Familie erkrankt? Kennt ihr irgendwelchen neuen Erkenntnise oder Erforschungen? Teilt mir mit was euch zu dem Thema auf dem Herzen liegt.
Danke, eure

CoCo.

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